Der Thomaskreislauf- Gleich und Gleich gesellt sich gern

Kennen Sie Thomas? Er ist Mitte 50, ist in Westdeutschland aufgewachsen, hat Wirtschaftswissenschaften studiert und sitzt in der Chefetage eines namenhaften Automobilherstellers. Die Führung teilt er sich mit seinen Kollegen Andreas, Michael und Christian. Laut einer Studie von Indeed, in der die Vornamen der Geschäftsführer*innen von 318.190 GmbHs in Deutschland von 2002-2019 analysiert wurden, sind das die verbreitesten Vornamen von deutschen Führungskräften. Was fällt auf? Genau. Alles männliche Namen. Die mangelnde Diversität in Spitzenpositionen der deutschen Wirtschaft wird oft auch als „Thomas-Kreislauf“ bezeichnet. Und das nicht ohne Grund: Der Name Thomas belegte den 4. Platz auf dem Ranking der verbreitesten Vornamen von deutschen Geschäftsführer*innen.

Was ist der Thomas-Kreislauf?

Der Thomas-Kreislauf zeigt auf, nach welchem Muster Unternehmen ihre Vorstandsmitglieder rekrutieren – und lässt sich, in vielen Fällen, auch auf darunter liegende Führungsebenen übertragen. Der deutsche Chef rekrutiert gern nach seinem eigenen Spiegelbild. Denn Seinesgleichen traut er den Job instinktiv mehr zu. Dafür kann er in den meisten Fällen nichts, da wir alle von unterbewussten Verzerrungen, sogenannten unconscious biases, geleitet werden. Durch den Bestätigungsfehler, oder auch confirmation bias, neigen wir dazu, bevorzugt solche Informationen aufzunehmen und als relevant einzuordnen, die mit den eigenen Überzeugungen übereinstimmen. So passiert es, dass eine Person, die den Werten und Einstellungen des Chefs entspricht, als qualifizierter eingeschätzt und dadurch auch eher befördert wird. Ganz nach dem Motto ein Thomas befördert einen Thomas.

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Der Thomas-Kreislauf verringert Diversität auf Führungsebnen

Der Bericht der Allbright-Stiftung von September 2021 zeigt auf, wie drastisch sich die Verteilung von Männern und Frauen in Machtpositionen in deutschen Unternehmen unterscheidet: 95% der Vorstandvorsitzende der 160 deutschen Börsenunternehmen sind männlich – der Frauenanteil beträgt lediglich 5%. Aber nicht nur ein Ungleichgewicht in Bezug auf das Geschlecht ist festzustellen, sondern auch in Bezug auf Alter, Herkunft und Ausbildung: Nur 2% Prozent der Vorstandsmitglieder wurden beispielsweise in Ostdeutschland ausgebildet.

Mehr Diversität durch Anonymisierung

Die Datenlage ist offensichtlich. Das Muster, nach dem Börsenunternehmen ihre Vorstände rekrutieren, führt zu weniger Diversität. Aus wissenschaftlicher Sicht sind uns die Einflüsse von kognitiven Verzerrungen schon lange bekannt. Nun wird es Zeit dieses Wissen auch in der Praxis anzuwenden, indem wir anonymisierte Prozesse beim Recruiting zu verwenden. Denn eins steht fest: Die Anonymisierung ist die einfachste Lösung unterbewusste Verzerrungen auszuschalten und den Thomas-Kreislauf zu durchbrechen.

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